Sexueller Kindesmissbrauch in der Familie

Sexueller Kindesmissbrauch findet am häufigsten in der Familie statt. Betroffene, die sich der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs anvertrauen, berichten von sexueller Gewalt durch Väter, Mütter, Großväter, Stiefeltern, Geschwister oder andere Verwandte sowie durch Pflegeeltern.

Kinder und Jugendliche sexualisierter Gewalt in der Familie schutzlos ausgeliefert

Es braucht eine systematische und gesamtgesellschaftliche Aufarbeitung, um für mögliche Risiken innerhalb der Familie zu sensibilisieren. Die Familie ist meist der erste und zentrale Ort des Aufwachsens. Hier sind Kinder sehr darauf angewiesen, geschützt, umsorgt und geliebt zu werden. Vielfach wird davor zurückgeschreckt, in den Privatraum Familie einzugreifen, etwa als Nachbar*in. Das Recht auf Privatheit ist ein hohes Gut, aber es darf nicht dazu führen, dass von Gewalt betroffenen Kindern nicht geholfen wird. Darum fordert die Kommission in ihren Berichten und einem öffentlichen Statement, dass die Familie als Haupttatort sexuellen Kindesmissbrauchs stärker in den Fokus gesellschaftlicher Aufarbeitung und Verantwortung gelangen muss. Im Dezember 2025 hat die Kommission ein Positionspapier vorgelegt, in dem sie die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für die Aufarbeitung von Missbrauch in Familien aufzeigt.

Kinder und Jugendliche, die Missbrauch in der Familie erleben müssen, kennen oft nur die eine Realität, auch weil sie durch die Eltern von ihrer Umgebung isoliert werden. So ist es für betroffene Kinder besonders schwer, externe Hilfe zu erhalten. Betroffene Erwachsene berichten der Kommission, dass obwohl einzelne Mitglieder der Familie über die Gewalt Bescheid wussten, darüber geschwiegen wurde und das Wahren des äußeren Scheins der angeblich heilen und perfekten Familie Vorrang hatte. Heute erwachsene Betroffene, die sexuelle Gewalt innerhalb der Familie erleben mussten, sind häufig auf sich alleine gestellt. Vielfach hält die Herkunftsfamilie zum Täter/zur Täterin oder die Angehörigen glauben den Betroffenen nicht und verweigern eine Aufarbeitung. Dadurch wird es ihnen schwer gemacht, einen für sie guten Kontakt zur Familie zu halten. Manche Betroffene berichten auch davon, dass sie keinen Kontakt zu ihren Angehörigen mehr wollen. Andere finden aber auch Unterstützung, z.B. durch Geschwister.

Die Anhörungen und schriftlichen Berichte zeigen auf, dass sexueller Kindesmissbrauch in der Familie oft in Verbindung mit anderen Gewaltformen steht. Diese sind z.B. Vernachlässigung, seelische Gewalt durch eine abwertende und gewaltvolle Sprache, körperliche Misshandlung oder Gewalt zwischen den Eltern.

Kreisgrafik zur Zahl der Anhörungen im Kontext Familie, Gesamtzahl: 1592. Größerer Kreis. 1291 Anhörungen, kleinerer Kreis: 301 Berichte
Grafik zur Anzahl der Anhörungen und Berichte zu sexuellem Kindesmissbrauch in der Familie. Stand: Juli 2024

Tatort Familie: Wie viele Personen berichteten der Kommission von sexueller Gewalt in der Familie?

1592 Betroffene sowie Zeitzeug*innen haben sich bisher bei der Kommission gemeldet und über sexuellen Kindesmissbrauch innerhalb der Familie berichtet (Stand: Juli 2024). 1291 Personen teilten sich in einer vertraulichen Anhörung mit und 301 vertrauten sich in einem schriftlichen Bericht an.

Gleichzeitig zu lieben und zu hassen, kann schwer sein. Die Bindung zum Vater kann man nicht einfach kappen, das können die wenigsten verstehen. Ich habe trotzdem eine Entscheidung getroffen. Für mich. Gegen ihn.
Betroffene

Die Erkenntnisse der Kommission zum Thema sexueller Kindesmissbrauch in der Familie

Sexueller Kindesmissbrauch in der Familie war einer der Schwerpunkte der ersten Laufzeit der Kommission. Die Thematik wird auch mit der Verstetigung der Arbeit der Kommission fortgesetzt. Die bisherigen Erkenntnisse aus den vertraulichen Anhörungen, schriftlichen Berichten, Werkstattgesprächen und dem öffentlichen Hearing hat die Kommission in verschiedener Form veröffentlicht.

Umschlag der Studie "Sexuelle Gewalt in der Familie". Auf einem blauen Hintergrund ist der Titel der Studie und eine weiße Deutschlandkarte mit vielen Anführungszeichen und dem Schriftzug Geschichten die zählen.

Studie zu sexueller Gewalt in der Familie

Die Familie genießt als privater Raum einen besonderen gesetzlichen Schutz. Für Kinder und Jugendliche, die sexuelle Gewalt in der Familie erleben, kann dieser Schutz zum Verhängnis werden. Die Ergebnisse der Studie wurden im September 2021 veröffentlicht. Sie zeigen neben dem Spezifischen sexuellen Kindesmissbrauchs in der Familie auch die Verantwortung unserer Gesellschaft für Hilfe und Aufarbeitung in diesem Tatkontext auf.

Titelseite Studie "Elternschaft nach sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend"

Elternschaft nach sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend

Was bedeutet es, nach sexueller Gewalt in der Kindheit selbst Kinder zu haben und elterliche Verantwortung zu tragen? Aus welchen Gründen haben sich Betroffene für oder gegen Kinder entschieden? Mehr als 600 Betroffene haben an der Befragung für den Bericht teilgenommen

Cover einer Publikation der Kommission mit Text: Fallstudie "Sexueller Kindesmissbrauch und die Arbeit der Jurgendämter" Dr. Thomas Meysen, Mareike Paulus, Dr. Regine Derr, Prof. Dr. Heinz Kindler

Sexueller Kindesmissbrauch und die Arbeit der Jugendämter

In der Studie wurden die Erfahrungen Betroffener sexueller Gewalt und Angehöriger Betroffener mit Jugendämtern, teilweise auch mit Trägern der freien Jugendhilfe oder Familiengerichten ausgewertet. Zudem wurden dazugehörige Jugendamtsakten analysiert und mit langjährigen Expert*innen aus der Fachpraxis Interviews geführt.

Fachtag Familie

Am 25. Januar 2022 nahmen über 600 Personen am digitalen Fachtag „Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in der Familie“ teil, bei dem Betroffene sowie Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis miteinander ins Gespräch kamen.

Foto des Vorschau-Bildschirms der Regie beim Digitalen Fachtag Familie: Auf dem Split Screen sind die vier zugeschalteten Personen Barbara Kavemann, Renate Bühn, MariaAndrea Winter und Sabine Andresen zu sehen.
Regie-Bildschirm bei der Übertragung des digitalen Fachtags Familie

Bilanzbericht

Im April 2019 hat die Kommission den Bilanzbericht ihrer ersten Laufzeit herausgegeben und darin auch Erkenntnisse zu sexuellem Kindesmissbrauch in der Familie veröffentlicht.

Zwischenbericht

Bereits in ihrem Zwischenbericht im Jahr 2017 hat die Kommission den Schwerpunkt Familie gesetzt.

Geschichtenportal

Im Januar 2022 hat die Aufarbeitungskommission ein in Deutschland bisher einzigartiges Projekt gestartet: auf dem Portal „Geschichten, die zählen“ berichten Betroffene von sexuellem Missbrauch in Kindheit und Jugend. Bisher gibt es rund 30 Berichte aus dem Kontext Familie.

Vier Menschen sitzen auf einer Bühne. Das Publikum hört zu.
Hearing zu sexuellem Kindesmissbrauch in der Familie

Öffentliches Hearing

Im Januar 2017 hat die Kommission ihr erstes öffentliches Hearing zu sexuellem Kindesmissbrauch in der Familie durchgeführt.

Audio- und Videobeiträge in der Mediathek

Besuch im Familienausschuss

Die damalige Vorsitzende der Kommission und die damaligen ständigen Gäste Matthias Katsch und Tamara Luding aus dem Betroffenenrat haben im Dezember 2016 an einer Sitzung des Familienausschusses des Deutschen Bundestages teilgenommen. Sie berichteten über die Arbeit der Kommission und erklärten, warum die Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs notwendig ist.

Matthias Katsch, Sabine Andresen, Tamara Luding
Matthias Katsch, Sabine Andresen, Tamara Luding

Webanalyse / Datenerfassung

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