Heiner Keupp

Kommissionsmitglied Heiner Keupp schaut lächelnd in die Kamera.

Es gilt die Schweigeringe um sexualisierte Gewalt zu durchbrechen. Für mich als Sozialwissenschaftler sehe ich hier eine besondere Verantwortung.

Heiner Keupp

Bevor ich mich intensiv mit dem Thema der sexualisierten Gewalt gegen Kinder und Jugendliche auseinandersetzte, habe ich mich mit Initiativen zum Aufbau sozialpsychiatrischer Projekte, mit Forschung zur Identitätsentwicklung, der Gesundheitsförderung und des bürgerschaftlichen Engagements beschäftigt. Diese Themen sind auch in meine Untersuchungen von Institutionen eingegangen, in denen Heranwachsende schwere Missbrauchserfahrungen machen mussten. Als Sozialpsychologe habe ich mich vor allem mit den Fragen auseinandergesetzt, welche institutionellen und gesellschaftlichen Hintergründe zu den Missbrauchstaten geführt haben und warum Aufklärung über Jahre und Jahrzehnte verhindert worden ist. Gegenwärtig beschäftigt mich vor allem, wie in ihrer Kindheit und Jugend von sexualisierter Gewalt betroffene Menschen Wege zur Bewältigung und zu selbstbestimmter Lebensführung finden.

Von 1976 bis 2008 war ich Professor für Sozial- und Gemeindepsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2001 bin ich Gastprofessor an der Universität Bozen. Von 2007 bis 2010 übernahm ich den Vorsitz der Expertenkommission für den 13. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung. 2010 wurde ich vom Stadtrat der Landeshauptstadt München zum Vorsitzenden des Fachbeirats für zivilgesellschaftliches Engagement berufen.

Neben meinen Aufgaben an der Universität München habe ich über mehr als 30 Jahre eine enge Kooperation mit dem Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) aufbauen können. So habe ich gemeinsam mit einem Team des IPP die Missbrauchsfälle in den Benediktinerklöstern Ettal und Kremsmünster (Österreich) untersucht und ab 2014 ein Teilprojekt der interdisziplinär angelegten wissenschaftlichen Studie über sexualisierte Gewalt an der Odenwaldschule durchgeführt. In beratender Funktion unterstützte ich das IPP bei Studien zu Heimkindheiten in Bayern. Aktuell laufen am IPP Projekte zum Missbrauch im Erzbistum Essen, im Institut für analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie Heidelberg und im Martin-Bonhoeffer-Haus in Tübingen. Ich war Mitglied des Beirats der interdisziplinären Studie "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" (MHG-Studie), die im September 2018 veröffentlicht wurde.

Beruflicher Werdegang
  • Studium der Psychologie und Soziologie an den Universitäten Frankfurt, Erlangen und München, Diplomabschluss 1969
  • 1972 Promotion zum Dr. phil. in Psychologie an der Universität München
  • 1976 Habilitation in Psychologie an der Universität München
  • 1978 - 2018 Professor für Sozial- und Gemeindepsychologie an der Universität München
  • seit 2001 Gastprofessor an der Freien Universität Bozen
  • 1999 - 2009 Vorstand des Sonderforschungsbereichs 536 der Universität München
  • 2007 - 2009 Vorsitzender der Berichtskommission für den 13. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung
  • seit 2016 Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs

Forschungsprojekt

"Lebensführung nach Erfahrungen sexuellen Missbrauchs und Misshandlungen in Institutionen"

Zum Projekt

Verbundprojekt

"Auf-Wirkung: Aufarbeitung von Erfahrungen von Betroffenen sexualisierter Gewalt für wirksame Schutzkonzepte in Gegenwart und Zukunft“ (finanziert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung)

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