Aufarbeitung_Vertrauliche_Anhoerung

Vertrauliche Anhörung

Wir danken den vielen Menschen, die uns vertrauen und sich bei uns gemeldet haben. Indem sie uns  ihre Geschichten erzählen, unterstützen sie die Aufarbeitung. Nur mit ihrer Hilfe können wir das Ausmaß und die Dimensionen sexuellen Kindesmissbrauchs in Deutschland wirklich erfassen.
Auf der Basis der verfügbaren finanziellen und personellen Ressourcen, war die Kommission zu Beginn ihrer Tätigkeit von etwa fünfhundert Anhörungen ausgegangen. Inzwischen haben sich schon eintausend Personen für vertrauliche Anhörungen angemeldet. Die Kommission möchte mit so vielen Menschen wie möglich sprechen. Um das zu realisieren, hat sie für das Jahr 2017 nachträglich eine weitere finanzielle Unterstützung in Höhe von 450.000 Euro durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) erhalten. Es wurden zudem bereits weitere Anhörungsbeauftragte ausgewählt, um deutschlandweit mehr Anhörungen durchführen zu können. Auch für das Jahr 2018 wird eine Aufstockung der Mittel angestrebt.
Trotz dieser Erweiterungen müssen wir Sie darüber informieren, dass wir derzeit keine weiteren Anmeldungen für vertrauliche Anhörungen annehmen können. Wir können nicht sicherstellen, dass wir mehr als jene eintausend Personen anhören können, die sich bisher angemeldet haben. Die jetzige Laufzeit der Kommission endet am 31. März 2019. Hierfür bitten wir um Ihr Verständnis.
Nach wie vor haben Sie jedoch die Möglichkeit, uns Ihre Geschichte aufzuschreiben und zu schicken. Alle schriftlichen Berichte fließen in die Auswertung ein.

Wir setzen uns sehr dafür ein, dass wir unsere Arbeit auch nach dem März 2019 gestärkt  weiterführen können. Aus diesem Grund möchten wir allen Personen, die Interesse an einer vertraulichen Anhörung haben, die Möglichkeit geben, sich für einen Termin im Jahr 2019 vormerken zu lassen. Wenn die Kommission die Aufarbeitung fortsetzen kann – worauf wir hoffen – können dann weitere  Anhörungen durchgeführt werden.

Wir bitten Sie, bei Interesse die Online-Anmeldung auszufüllen und uns zuzusenden.

  • 1. Schritt: Anmeldung

    Bitte geben Sie uns über die Online-Anmeldung einige erste Informationen über sich. Die Kontaktdaten und Informationen können alternativ auch von einer Person ihres Vertrauens (zum Beispiel Partnerin oder Partner, Psychotherapeutin oder Psychotherapeut etc.) hinterlegt werden.

    Wir würden zum Beispiel gerne von Ihnen wissen, in welchem Zeitraum der Missbrauch stattfand und ob er z.B. in der Familie oder in einer Institution geschah. Diese Informationen benötigen wir, um die Anhörungen gut vorbereiten zu können. Sie dienen keinem anderen Zweck. Zu jedem Zeitpunkt gilt:  Sie entscheiden, was Sie ausfüllen möchten.

    Sie können uns auch kostenfrei anrufen oder schreiben.

  • 2. Schritt: Wir melden uns bei Ihnen

    Wenn Sie mit uns Kontakt aufgenommen haben, werden wir uns bei Ihnen melden und gemeinsam mit Ihnen klären, wie und wann Sie uns Ihre Erfahrungen mitteilen können. Aufgrund der aktuell sehr zahlreichen Anmeldungen kann dies einige Zeit dauern. Wir können Sie anrufen, Ihnen eine E-Mail oder auch einen Brief schreiben. Bei der Anmeldung können Sie uns mitteilen, was Sie bevorzugen und wann Sie eine Kontaktaufnahme wünschen.

    Wenn Sie uns Ihren Namen nicht mitteilen wollen, können Sie mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Infotelefon Aufarbeitung besprechen, wie Sie ohne Ihren Namen zu nennen an einer Anhörung teilnehmen können.

  • 3. Schritt: Anhörungen

    Die Anhörungen finden in einem sicheren und geschützten Rahmen statt. Das bedeutet, dass die Gespräche nicht öffentlich sind. Die Kommission und ihr Team behandeln Ihre Aussagen immer vertraulich. Zu der Anhörung können Sie einen Freund oder eine Freundin, ein Familienmitglied oder eine andere Person zur Unterstützung mitbringen.

    Von uns ausgewählte Fachberatungsstellen bieten bei Bedarf am Tag der Anhörung vor Ort Unterstützung an. Die jeweilige Fachberatungsstelle wird Ihnen zusammen mit der Einladung mitgeteilt. Sie können die Anhörung jederzeit, auch ohne Angabe von Gründen, beenden.

    Wenn Sie damit einverstanden sind, nehmen wir die Anhörung mit einem Diktiergerät auf und schreiben auf, was Sie uns gesagt haben. Alles, was Sie uns erzählen, bleibt vertraulich. Ihre Geschichte wird ohne Namen und Orte in unsere Berichte einfließen (s. unter Ziffer 5 Bericht).

  • 4. Schritt: Anruf nach der Anhörung, wenn Sie das wünschen

    Wenn Sie das wünschen, werden Sie einige Tage nach der Anhörung von einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter einer Fachberatungsstelle für sexuellen Kindesmissbrauch angerufen. Sie werden sich bei Ihnen erkundigen, wie es Ihnen geht, und Ihnen gegebenenfalls helfen, Unterstützung zum Beispiel durch Fachberatungsstellen in Ihrer Nähe zu finden.

  • 5. Schritt: Bericht

    Für die Aufarbeitung sind Ihre Erfahrungen zentral. Mit Ihrer Hilfe können wir die Gesellschaft über Ausmaß, Art und Folgen von sexuellem Kindesmissbrauch informieren und diese sensibilisieren. Die Kommission wird regelmäßig in der Öffentlichkeit berichten, ihre Erkenntnisse vorstellen und auch praktische Empfehlungen aussprechen. Dafür wird Ihre anonymisierte Geschichte ausgewertet. Die Auswertung fließt in unsere Berichte ein.

    Wenn wir Sie wörtlich zitieren wollen, fragen wir Sie vorab grundsätzlich um Ihr Einverständnis. Auch bei einem wörtlichen Zitat wird Ihr Name nicht genannt.

  • 6. Schritt: Ihre Botschaft zählt!

    Vielleicht ist Ihnen auch nach der Anhörung noch wichtig, uns etwas mitzuteilen. Sie können uns anrufen oder schreiben und in wenigen Sätzen sagen, was Sie der Öffentlichkeit mitteilen wollen oder was Sie von der Gesellschaft fordern.

    Diese Statements werden anonym veröffentlicht als kollektive Mitteilungen an die Gesellschaft und die Politik.

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