Portrait Barbara Kavemann
Prof. Dr. Barbara Kavemann

Was bedeutet es, nach sexueller Gewalt in der Kindheit selbst Kinder zu haben und elterliche Verantwortung zu tragen?

Unterstützung für Betroffene als Beitrag zu Aufarbeitung und Prävention.

SoFFI-SOCLES

Die biografische Perspektive von Müttern und Vätern, die in Kindheit und Jugend sexuelle Gewalt erlebt haben, ihre subjektive Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Bewältigung traumatischer Kindheitsereignisse sowie deren Verhältnis zu eigener Elternschaft und der Verantwortung für Kinder sind bisher wenig erforscht.

In vorherigen Forschungsprojekten, zum Beispiel der Studie „Erwartungen Betroffener von sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend an gesellschaftliche Aufarbeitung“ (Kavemann et al. 2019), wurde immer wieder eigene Elternschaft und elterliche Verantwortung oder ein Kinderwunsch zum Thema gemacht. Forschung belegt, dass sexuelle Gewalt in Kindheit und Jugend eine Rolle spielen kann bei den Entscheidungen für oder gegen Elternschaft. Die Vorstellung, Verantwortung für den Schutz eigener Kinder tragen zu sollen, kann beunruhigen, das Leben mit Kindern kann herausfordern und triggern. Kinder können aber auch eine Quelle von Glück und Lebensfreude sein. Die eigene Betroffenheit durch sexuelle Gewalt kann als Risiko für eigene Kinder gesehen werden, aber auch als Befähigung und Kompetenz im Umgang mit Risiken.

Das Projekt zur Elternschaft geht der übergeordneten Frage nach: „Was bedeutet es, nach sexueller Gewalt in der Kindheit selbst Kinder zu haben und elterliche Verantwortung zu tragen?“

Das Forschungsvorhaben leistet einen Beitrag zur gesellschaftlichen Aufarbeitung von sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend und trägt zum Prozess der Entwicklung von Empfehlungen für Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in Familien bei. Des Weiteren gibt sie der Unterstützungspraxis neue Impulse, indem der Bereich der Familienplanung, der Elternberatung und Elternbildung angesprochen werden.

Untersucht werden sollen folgende Fragen:

  • Welche Herausforderungen beschreiben Betroffene, die eigene Elternschaft vor dem Hintergrund der sexuellen Gewalt in der Kindheit leben?
  • Welche Bedeutung hat die Gewalt in der Kindheit für eine Entscheidung für oder gegen eigene Kinder?
  • Wie werden Entscheidungen für oder gegen eine Offenlegung der erlebten sexuellen Gewalt gegenüber eigenen Kindern getroffen?
  • Welche Rolle spielt eigene Elternschaft im Prozess der individuellen Bewältigung der gewaltvollen Kindheitserfahrungen?
  • Wie wird die Angst vor dem eigenen Versagen beim Schutz von Kindern bewältigt?
  • Welcher Unterstützungsbedarf lässt sich anhand der Ergebnisse identifizieren? Welche Unterstützung wurde als wirksam erlebt?
  • Inwieweit stellt die Elternschaft eine Ressource für Betroffene dar?
  • Welchen Einfluss hat die eigene Betroffenheit auf die Sexualerziehung der Kinder?

Laufzeit des Forschungsprojekts: 01.08.2022 bis 31.08.2024

Das Forschungsprojekt wird über Mittel der Kommission finanziert.

Institutsleitung: Dr. Thomas Meysen
Projektleitung: Prof. Dr. Barbara Kavemann (SoFFI F.)
Wissenschaftliche Mitarbeit: Bianca Nagel M.A.

Zur Webseite des Forschungsprojekts

Barbara Kavemann

Sozialwissenschaftlerin und Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs

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Erwartungen Betroffener sexuellen Kindesmissbrauchs an die gesellschaftliche Aufarbeitung

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