Organisierte und rituelle sexualisierte Gewalt

Auch aus dem Bereich der organisierten und rituellen Gewalt haben sich Betroffene und Zeitzeug*innen bei der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs gemeldet. Sie berichten von massiven Gewalterfahrungen in Form von oft jahrelanger psychischer, physischer und sexueller Gewalt seit frühester Kindheit.

Organisierter und ritueller Kindesmissbrauch: Fehlendes Wissen und die Glaubensfrage

Sexueller Kindesmissbrauch in organisierten und rituellen Strukturen meint sexualisierte Gewalt und Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen durch untereinander bekannte und vernetzte Täter und Täterinnen. Betroffene und Zeitzeug*innen berichten, dass der Missbrauch zielgerichtet, wiederholt und mit langfristiger Abhängigkeit der Betroffenen ausgeübt wurde. Einige dieser organisierten Gruppierungen hätten zusätzlich einen rituellen Charakter besessen durch eine (Schein-)Ideologie oder eine religiöse Sinngebung, z.B. eine satanistische oder faschistische Ideologie. Betroffene sprechen dabei auch von Sekten oder Kulten.

Wie viele Betroffene und Zeitzeug*innen berichteten von sexuellem Kindesmissbrauch in organisierten und rituellen Strukturen?

292 Betroffene und Zeitzeug*innen haben der Kommission von organisierter und organisierter ritueller Gewalt berichtet. 243 Personen sprachen darüber in einer vertraulichen Anhörung und 49 Personen teilten sich in einem schriftlichen Bericht mit. Diese Zahlen gehen auf die im Juli 2023 ausgewertete Gesamtzahl von 2.038 Anhörungen und Berichten zurück.

Kreisgrafik zur Zahl der Anhörungen im Kontext organisierte rituelle Strukturen, Gesamtzahl: 292. Größerer Kreis. 243 Anhörungen, kleinerer Kreis: 49 Berichte
Darstellung Kontext organisierte und rituelle Strukturen, Stand: Juli 2023

Zitat auf grünem Hintergrund zwischen stilisierten Anführungszeichen: "Irgendwann habe ich nur noch geschwiegen und funktioniert."
Geschichtenportal: Irinas Geschichte

Geschichtenportal

Im Januar 2022 hat die Aufarbeitungskommission ein in Deutschland bisher einzigartiges Projekt gestartet: auf dem Portal „Geschichten, die zählen“ berichten Betroffene von sexuellem Missbrauch in Kindheit und Jugend. Bisher gibt es drei Berichte aus dem Kontext Organisierte und rituelle sexualisierte Gewalt. Das Portal soll kontinuierlich erweitert und zu einem Erinnerungs-Ort für die Lebensleistung betroffener Menschen werden.

Ich habe mit niemandem gesprochen. Ich wusste nie, wer zu „den Bösen“ gehört.
Betroffener

Die Erkenntnisse der Kommission im Schwerpunkt organisierte und rituelle Gewalt

Organisierte und rituelle Gewalt war einer der Themenschwerpunkte der ersten und zweiten Laufzeit der Kommission. Die Thematik wird auch in der dritten Laufzeit fortgesetzt. Ziel der Kommission ist es, Wissen über diesen Bereich der sexuellen Gewalt zu erlangen und so die Unterstützung für Betroffene zu verbessern und die Forschung in diesem Themenfeld voranzutreiben.

Forschungsprojekt

„Professionelle Begleitung von Menschen, die sexuelle Gewalt und Ausbeutung, im Besonderen organisierte rituelle Gewalt, erlebt haben: Die Perspektive der Betroffenen und der Fachkolleg*innen“

Werkstattgespräche

Die Kommission hat sich mit Expert*innen in ihren vierten Werkstattgesprächen über sexualisierte Gewalt in rituellen und organisierten Gewaltstrukturen ausgetauscht.

Bilanzbericht

Im April 2019 hat die Kommission den Bilanzbericht ihrer ersten Laufzeit vorgelegt und darin auch Erkenntnisse zu sexuellem Kindesmissbrauch im Bereich der organisierten und rituellen Gewalt veröffentlicht.

Wissensportal organisierte sexuelle und rituelle Gewalt

Auf dem Wissensportal von N.I.N.A. e.V. und UBKSM in Zusammenarbeit mit Forschenden des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg finden Sie Informationen zu verschiedenen thematischen Schwerpunkten im Bereich der organisierten sexualisierten und rituellen Gewalt.

Anlaufstelle für Betroffene organisierter und ritueller Gewalt

Beim berta-Telefon unter 0800 30 50 750 erhalten Betroffene kostenfrei & anonym Beratung und Unterstützung.

Webanalyse / Datenerfassung

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend möchte seine Website fortlaufend verbessern. Dazu wird um Ihre Einwilligung in die statistische Erfassung von Nutzungsinformationen gebeten. Die Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden.

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