Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in der DDR weiter voranbringen


11.10.2021 - Bei einem digitalen Treffen diskutierte die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus Politik, Praxis und Forschung über den Stand der Aufarbeitung und Fragen zu Beratung und Hilfen für Betroffene, die sexuelle Gewalt in Familien und Institutionen in der DDR erlebt haben.


Seit dem öffentlichen Hearing der Kommission in Leipzig in 2017 mit der Vorstellung der Expertise „Historische, rechtliche und psychologische Hintergründe des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen in der DDR“ und der Veröffentlichung der Fallstudie „Sexueller Kindesmissbrauch in der DDR“ in 2019 hat die Öffentlichkeit das Thema vermehrt wahrgenommen. Weitere Forschungsprojekte wurden seitdem angestoßen. Dennoch hält das Schweigen in der Gesellschaft an. Gründe dafür sind, dass sexuelle Gewalt gegen Kinder in der DDR weit mehr und länger tabuisiert war als in den alten Bundesländern. Die Kommission erfuhr bis heute knapp 250 Lebensgeschichten von Betroffenen. Es sind erschütternde Zeugnisse über sexuelle Gewalt und das erfahrene Unrecht sowohl in der Familie als auch in Heimen.

Weder privat noch öffentlich wurde in der DDR über Kindesmissbrauch oder über einen Heimaufenthalt gesprochen. Und auch heute noch berichten Betroffene, dass sie kaum über die erlittene Gewalt sprechen können. Sie fühlen sich noch immer stigmatisiert. Darum ist den Betroffenen zu danken, die sich auch der Kommission anvertrauen und mit ihrer Geschichte andere Betroffene ermutigen das Schweigetabu aufzubrechen.

Christine Bergmann, Mitglied der Kommission

Wie auch Betroffene selbst, berichteten einige der Expertinnen und Experten in dem Austausch mit der Kommission, dass Beratungsangebote und Hilfsmöglichkeiten für Betroffene schwer zugänglich sind. Einerseits, weil das Angebot an Beratungsstellen speziell für Betroffene sexuellen Kindesmissbrauchs im ländlichen Raum schwach ausgebaut ist. Bei den bestehenden Beratungsstellen fehlt es zudem meist an finanziellen und personellen Ressourcen. Andererseits können viele Betroffene die Anforderungen beim Beantragen von Hilfeleistungen nicht erbringen, weil die bürokratischen Hürden zu hoch sind und der gesamte Prozess als retraumatisierend erlebt wird.

Um die Beratungs- und Betreuungssituation betroffener Menschen zu verbessern, wurde angemerkt, dass Fachpersonal in Therapieeinrichtungen, in Klinken aber auch in Behörden hinsichtlich des Themas sexueller Kindesmissbrauch besser fortgebildet werden müsste. Zudem bräuchte es eine bessere Datenbasis zu sexueller Gewalt in der DDR. Diese könnten Kenntnisse aus der Forschung liefern. Auch bereits bestehende Forschungsverbünde sollten stärker unterstützt werden.

Um die Ergebnisse von Forschung und Aufarbeitung in der Gesellschaft sichtbar zu machen und eine Verbesserung des Zugangs zu Beratung und Hilfen für Betroffene zu erreichen, sei eine stärkere Zusammenarbeit aller Akteurinnen und Akteure besonders auf Landesebene notwendig. Eine Möglichkeit, sich zu vernetzen und das Thema vor Ort sichtbar zu machen, könnten regionale Veranstaltungen mit der Kommission sein. Dazu soll es weitere Gespräche geben.

Die Kommission untersucht seit 2016 Ausmaß, Art und Folgen der sexuellen Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Im Zentrum der Arbeit der Kommission stehen Anhörungen und Berichte von Menschen, die in ihrer Kindheit sexuellen Missbrauch in Institutionen oder in der Familie erlebt haben.

 


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