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Historische, rechtliche und psychologische Hintergründe des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen in der DDR

Expertise

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Die historische Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in der DDR erfordert gründliche Kenntnisse über den zeitgeschichtlichen Kontext, die politisch-ideologischen Hintergründe und die damalige Lebenswirklichkeit der Betroffenen. Die Expertise soll hierzu eine erste Orientierungshilfe geben. Dafür wurden u.a. stichprobenartig Akten aus dem Bundesarchiv und dem Archiv des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen ausgewertet.

In der DDR kam sexueller Kindesmissbrauch, genau wie in der Bundesrepublik, in allen gesellschaftlichen Schichten vor und war nicht auf eine Personengruppe beschränkt. Bei Betroffenen von sexueller Gewalt in der DDR liegt jedoch durch die politischen Hintergründe und Machtverhältnisse meist eine Mehrfachbetroffenheit vor, die bis heute nachwirkt und die es ihnen noch schwerer macht, sich zu dem Erlebten zu äußern.

Die Expertise zeigt, dass für viele Betroffene die Kindheit in der DDR untrennbar mit den staatlichen politisch-ideologischen Strukturen in allen Lebensbereichen verbunden ist. Das Strafrecht der DDR war täterzentriert ausgerichtet. Es ging um Bestrafung, Disziplinierung und Wiedereinpassung des Täters ins Kollektiv, nicht um Aufklärung, Lösungsangebote oder gar Hilfen insbesondere für die Betroffenen.

Besonderen Fokus legt die Expertise auf einen Aspekt, der in vorherigen Forschungen und Untersuchungen kaum Beachtung fand: Täter im Staatsdienst.

Autorinnen und Autoren:
Dr. Christian Sachse
Stefanie Knorr
Benjamin Baumgart

Details:
Datum: 05.10.2017
Copyright: © Aufarbeitungskommission
Kategorien: DDR, Familie, Heime, Publikation, Strafjustiz