Vor-Ort-Anhörung in Behindertenwerkstatt


27.03.2024 - Seit zweieinhalb Jahren hat sich die Aufarbeitungskommission zum Ziel gesetzt, insbesondere Menschen mit Lernschwierigkeiten (Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung) besser über ihre Arbeit zu informieren. Erstmals hat in Berlin nun eine Vor-Ort-Anhörung in einer Berliner Werkstatt für Menschen mit Behinderungen stattgefunden.


Eine Frau in schwarzer Kleidung steht und redet. Sie schaut nach links. Rechts und links von ihr sitzen auf Stühlen drei weitere Personen, darunter Barbara Kavemann, und lächeln.

Das Risiko für Menschen mit Behinderungen, Opfer sexueller Gewalt in der Kindheit zu werden, ist deutlich höher als für Menschen ohne Behinderung. Um die Barrieren für Anhörungen zu senken, hat die Kommission im März eine Vor-Ort-Anhörung in einer Berliner Behindertenwerkstatt angeboten. Dazu wurden die Mitarbeitenden der Werkstatt zunächst zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Barbara Kavemann berichtete über die Arbeit der Kommission. Sie erläuterte, dass es der Kommission um eine Anerkennung von Unrecht und Leid geht, die viele Betroffene in ihrem Leben nicht erfahren haben. Besonders Menschen mit Lernschwierigkeiten hätten häufig die Erfahrung gemacht, dass ihnen nicht geglaubt wurde, wenn sie sich offenbarten. Die Kommission sei sehr an den Erfahrungen von Menschen mit Behinderungen interessiert, um daraus zu lernen und den Kinderschutz beispielsweise in Einrichtungen der Behindertenhilfe künftig zu verbessern. Rechtsanwält*in Ronska Grimm führt für die Kommission Anhörungen durch und erklärte im Anschluss, wie eine Anhörung praktisch abläuft. Insbesondere stellte Ronska Grimm klar, dass das vertrauliche Gespräch nicht mit einer Anzeige bei der Polizei zu vergleichen sei und die Polizei auch nicht informiert werde. Die angehörte Person könne selbst entscheiden, was sie der Kommission erzählen wolle und was nicht. Die Anhörung könne auch anonym durchgeführt werden. Außerdem finde das Gespräch in angenehmen Räumlichkeiten mit Keksen und Getränken statt, eine Vertrauensperson kann mitgebracht werden. Um dies anschaulich zu machen, wurde in einem Rollenspiel der Beginn einer Anhörung dargestellt. Eine Rolle spielte dabei auch eine Mitarbeiterin der Mutstelle der Berliner Lebenshilfe. Die Mutstelle ist eine Fachberatungsstelle zu sexualisierter Gewalt gegen Menschen mit Lernschwierigkeiten und steht für Begleitung und Beratung im Rahmen der Anhörungen zur Verfügung.

Die Veranstaltung wurde möglich aufgrund der großen Offenheit der Werkstatt und des persönlichen Engagements einer Mitarbeitenden. Sie stieß in der Werkstatt auf großes Interesse, rund 25 Personen nahmen daran teil. Mehrere Teilnehmende berichteten davon, selbst sexualisierte Gewalt als Jugendliche oder Erwachsene erfahren zu haben. Viele nahmen sich die Flyer von Kommission und Mutstelle mit oder suchten im Anschluss das Gespräch mit den Vortragenden. In den Folgetagen hatten Betroffene die Möglichkeit, sich bei der Frauenbeauftragten bzw. der Kontaktperson in der Werkstatt für die Vor-Ort-Anhörung anzumelden. Diese wurde eine Woche später unter Beachtung der erforderlichen Diskretion in den Räumlichkeiten der Werkstatt durchgeführt. Aus den Erfahrungen der Vor-Ort-Anhörung möchte die Kommission lernen und Schlüsse für ihre künftige Arbeit zum Themenfeld Menschen mit Lernschwierigkeiten ziehen.


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