Studie Elternschaft nach sexueller Gewalt in London vorgestellt
London, 25.06.2026 – Kommissionsmitglied Barbara Kavemann hat die Ergebnisse des Forschungsprojekts der Unabhängigen Aufarbeitungskommission des Bundes zu „Elternschaft nach sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend“ auf der Jahrestagung des European Network on Gender and Violence vorgestellt.
In dem Forschungsprojekt geht es um die Frage, was es bedeutet, nach sexueller Gewalt in der Kindheit selbst Kinder zu haben und elterliche Verantwortung zu tragen. Wie denken Menschen, die in der Kindheit sexualisierte Gewalt erfahren haben, über eigene Kinder nach? Aus welchen Gründen entscheiden sie sich aktiv für oder gegen eigene Kinder? Welche Ängste und Sorgen haben sie und welche Rolle spielt ihre eigene Betroffenheit dabei? Welche Art von Unterstützung brauchen sie? Über 600 Betroffenen nahmen an der Befragung durch das Forschungsteam teil. Die Studie kann kostenlos auf der Seite der Aufarbeitungskommission heruntergeladen werden.
Kommissionsmitglied Barbara Kavemann und Bianca Nagel vom Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitut zu Geschlechterfragen, die Autorinnen der Studie, diskutierten die Ergebnisse. Die Resonanz der teilnehmenden Forscher*innen war durchweg positiv. Weiterer Austausch wurde verabredet. Das partizipative Vorgehen im Forschungsprojekt in Form einer Zusammenarbeit mit betroffenen Eltern als Co-Forschenden wurde als besonders interessant wahrgenommen.
Das European Network on Gender and Violence (ENGV) ist ein internationales informelles Netzwerk zum Austausch unter Forschenden, die zu den Themen häusliche Gewalt und sexuelle Gewalt arbeiten. Das Netzwerk wurde 1996 gegründet. Jedes Jahr wird es von einer Universität oder Hochschule in einem europäischen Land ausgerichtet. Dieses Jahr war es die City St. George’s University of London, unterstützt von UK Prevention Research Partnership VISION Research Consortium. Das dreitägige Programm umfasste 38 Präsentationen, ein Schwerpunkt war sexuelle Gewalt in Kindheit und Jugend. Unter anderem ging es auch um Entwicklungen im Gesundheitssystem, Konzepte von Täterarbeit oder Gewalt in den Beziehungen Jugendlicher. Die Beiträge kamen aus zehn verschiedenen Ländern, unter anderem Spanien, Kanada und Malta.