Kommission wird 10 Jahre alt
26.02.2026 Heute vor 10 Jahren wurde die Unabhängige Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs ins Leben gerufen. Seitdem setzt sie sich dafür ein, dass sexueller Kindesmissbrauch in Deutschland aufgearbeitet wird – unabhängig davon, ob die Taten in der Familie, in Institutionen oder im sozialen Umfeld stattfanden. Mehr als 3.000 Betroffene von sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend haben der Kommission in dieser Zeit ihre Geschichte anvertraut.

Aus Anlass des Jubiläums wird die Kommission im Herbst zwei Veranstaltungen durchführen. Mit dem heutigen Datum wurden zudem die frisch überarbeiteten Empfehlungen zur Aufarbeitung in Institutionen veröffentlicht.
2019 hat die Kommission ihre Empfehlungen erstmals herausgegeben. Seitdem sind viele Aufarbeitungsprozesse angestoßen worden und viele neue Erkenntnisse für die praktische Durchführung eines Aufarbeitungsprozesses hinzugekommen. Gemeinsam mit Aufarbeitenden hat die Kommission aus diesem Grund ihre Empfehlungen grundlegend überarbeitet und erweitert. Auch die Ergebnisse eines zweijährigen Dialogprozesses von Betroffenen und Vertreter*innen von Institutionen sowie Wissenschaftler*innen für Standards der Betroffenenbeteiligung sind in die Publikation eingeflossen. Die neu gefassten Empfehlungen sollen dazu beitragen, dass Betroffene im Fokus der Aufarbeitungsprozesse stehen und die Abläufe entsprechend gestaltet werden.
Menschen, die in ihrer Kindheit und Jugend sexualisierte Gewalt erlebt haben, müssen häufig ein Leben lang mit den Folgen kämpfen. Sie haben ein Recht darauf, dass Institutionen Verantwortung übernehmen, und Fälle von sexualisierter Gewalt aufarbeiten. Dazu müssen sie die Gründe, die zu sexualisierter Gewalt geführt haben, benennen und verdeutlichen, welche Personen und welche mangelhaften Organisations- und Aufsichtsstrukturen den Schutz der Kinder und Jugendlichen verhindert haben.
Ein gelungener Aufarbeitungsprozess kann einen Beitrag dazu leisten, die Menschenrechtsverletzungen anzuerkennen, die Betroffene erleben mussten.
Heiner Keupp
Prof. Dr. Heiner Keupp, Kommissionsmitglied seit 2016 und Mitautor der Empfehlungen stellte heraus, dass Aufarbeitung keine reine Vergangenheitsbewältigung, sondern mit klaren Erwartungen für die Zukunft verbunden ist. Institutionen können dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche zukünftig besser geschützt werden, so Heiner Keupp.
Die Publikation "Institutionen übernehmen Verantwortung: Empfehlungen zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt" können hier heruntergeladen werden: Download der barrierefreien pdf-Datei (466 KB).