Sexueller Kindesmissbrauch

Was ist sexueller Kindesmissbrauch?

Jede sexuelle Handlung, die an Mädchen und Jungen gegen ihren Willen vorgenommen wird oder der sie aufgrund körperlicher, seelischer, geistiger oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen können. Täter und Täterinnen nutzen dabei Macht- und Autoritätspositionen aus, um eigene Bedürfnisse auf Kosten des betroffenen Kindes zu befriedigen.
Die gesamtgesellschaftliche Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR liegt seit Januar 2016 bei der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs.

Wie ist sexueller Kindesmissbrauch im Strafrecht definiert?

Kinder – nach strafrechtlicher Definition minderjährige Personen unter 14 Jahren – können sexuellen Handlungen aufgrund ihres Entwicklungsstands grundsätzlich nicht zustimmen. Das bedeutet, dass Missbrauch selbst dann vorliegt, wenn ein Kind mit der Handlung einverstanden wäre oder diese aktiv herbeigeführt hätte.

Welche Formen von sexuellem Kindesmissbrauch gibt es?

Die Handlungen, die als sexueller Missbrauch bezeichnet werden, weisen eine große Bandbreite auf. Sie reichen von verbalen sexuellen Anspielungen bis zu körperlichen Übergriffen, wie z.B. bei Hilfestellungen beim Sport. Es gibt sexuelle Handlungen am Körper des Kindes (hands-on), wie z.B. Zungenküsse oder Manipulationen der Genitalien, sowie schwere Formen sexuellen Missbrauchs, wie orale, vaginale und anale Penetration. Außerdem gibt es Fälle von Missbrauch, bei denen der Körper des Kindes nicht berührt wird (hands-off), z.B. wenn Täter oder Täterinnen vor einem betroffenen Kind masturbieren, sich exhibitionieren oder diesem gezielt pornografische Darstellungen zeigen oder es auffordern, sexuelle Handlungen an sich – oder z.B. vor einer Webcam – vorzunehmen.

Gibt es sexuelle Gewalt auch unter Jugendlichen?

Ein erhebliches Risiko im Kontext sexueller Gewalterfahrung in der Kindheit besteht außerdem durch Übergriffe unter Gleichaltrigen. Auch mittels digitaler Medien sind Mädchen und Jungen sexuellen Übergriffen und sexuellem Missbrauch durch Erwachsene und andere Jugendliche ausgesetzt u.a. durch Cybergrooming, Sexting oder durch die ungewollte Auseinandersetzung mit Pornografie. Betroffene Kinder und Jugendliche können sich an Fachberatungsstellen wenden, die sie durch Beratung und langfristige therapeutische Begleitung unterstützen.

Welche anderen Begriffe gibt es für sexuellen Kindesmissbrauch?

In der psychosozialen Fachpraxis und Wissenschaft wird statt „sexueller Kindesmissbrauch“ häufig der Begriff „sexuelle oder sexualisierte Gewalt an Kindern bzw. Jugendlichen“ verwendet.