Kommission beauftragt Fallstudie zu sexuellem Kindesmissbrauch im Sport


04.11.2020 Die vertraulichen Anhörungen und schriftlichen Berichte der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs im Bereich Sport werden im Rahmen einer Fallstudie ausgewertet.


Sportliche Aktivitäten zählen zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Insgesamt stellt der Sport einen hoch bedeutsamen Bereich im Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen dar. Aber der Sport ist auch ein Ort, an dem manche Kinder und Jugendliche in der Vergangenheit nicht geschützt wurden und sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren.

Seit Mai 2019 ruft die Kommission Betroffene aus dem Bereich Sport auf, um von ihren Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch im Freizeit-, Leistungs- oder Schulsport zu berichten. Im Rahmen einer Fallstudie soll systematisch ausgewertet werden, was Betroffene der Kommission bislang im Rahmen von vertraulichen Anhörungen und schriftlichen Berichten mitgeteilt haben.

Die Fallstudie geht dabei folgenden Fragen nach:

  • Wie ordnen Betroffene die sexuelle Gewalt in ihre individuelle Lebensgeschichte ein?
  • Welche Relevanz hatte die Erfahrung des sexuellen Missbrauchs für die sportliche Entwicklung?
  • Welche persönlichen Erlebnisse haben Betroffene mit der Aufdeckung von sexualisierter Gewalt in den Organisationen des Sports?
  • Unter welchen Bedingungen war es für die Betroffenen möglich, ihre Gewalterfahrungen zu offenbaren?
  • Welche organisationalen Strukturen fördern bzw. hemmen die Aufdeckung von sexualisierter Gewalt im Sport?
  • Welche Erfahrungen haben Betroffene im Sport mit den Strukturen der Intervention und Aufarbeitung in den Organisationen des Sports?

Es scheint zudem wichtig, die historischen Strukturen des Sports in der ehemaligen DDR sowie vor und nach der Wende in Ost- und Westdeutschland zu betrachten. Daher soll die erlebte Gewalt in diesem historischen Kontext eingeordnet werden, sofern die Berichte der Betroffenen hierfür Ansatzpunkte liefern.

Mit der Fallstudie wurde Prof. Dr. Bettina Rulofs beauftragt. Die Sportwissenschaftlerin leitet den Arbeitsbereich Sportsoziologie am Institut für Sportwissenschaften der Bergischen Universität Wuppertal.

Der Abschluss der Fallstudie ist Ende 2021 geplant. Im Anschluss wird die Studie auf der Projektseite veröffentlicht.