Fachkonferenz zu Pflege im Deutschen Bundestag
Berlin, 24.09.2026. Die Aufarbeitungskommission des Bundes hat an einer Fachkonferenz der Bundesbeauftragten für die Opfer der SED-Diktatur teilgenommen. Bei der Veranstaltung ging es um die Bedarfe Betroffener von SED-Unrecht und anderen Unrechtserfahrungen bei ihrer Versorgung im Alter.
Im Zentrum der Fachkonferenz „Traumasensibilität in der Pflege stärken – Bedarfe von Betroffenen von SED-Unrecht und weiteren Unrechtserfahrungen“ standen Menschen, die in Heimen und Gefängnissen der DDR sexualisierte Gewalt sowie andere Gewaltformen erlitten haben. „Ihre Traumata wirken ein Leben lang. Und wenn Pflegekräfte diese Narben der Betroffenen nicht kennen, können sie manche Verhaltensweisen nur schwer einordnen“, sagte die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur Evelyn Zupke zu Beginn.
Die Auswirkungen der Gewalt sind tiefgreifend und begleiten viele Betroffene ein Leben lang. Viele von ihnen sind inzwischen hochaltrig und stehen vor der Entscheidung, wie sie im Alter versorgt werden möchten. Für ehemalige Heimkinder kann die Vorstellung, erneut in einer Heimeinrichtung leben zu müssen, sehr belastend sein. Die Aufarbeitungskommission des Bundes habe deshalb ein Forschungsprojekt gefördert, das die Bedürfnisse von Betroffenen in der Altenpflege untersucht hat, berichtete Prof. Dr. Barbara Kavemann in ihrem Grußwort.
Im Anschluss stellte Kommissionsmitglied Prof. Dr. Silke Gahleitner die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Versorgungsmöglichkeiten für ehemalige Heimkinder im Alter“ vor. Sie betonte:
Vor dem Hintergrund der erlittenen Gewalt sind medizinische Behandlungen und Pflegesituationen für Betroffene mit den ehemaligen Erfahrungen der Hilflosigkeit und Ohnmacht gekoppelt.
Dr. Ulrike Hoffmann nahm an einer anschließenden Podiumsdiskussion teil, die sich der Frage widmete, wie Traumasensibilität im Pflegealltag gelingen kann. Sie hat beobachtet, dass es einen „blinden Fleck“ bei Pflegekräften gebe, der jedoch nicht „absichtlich“ entstehe. Vielmehr sei das Problem, dass über Trauma grundsätzlich zu wenig gesprochen werde.
Die SED-Opferbeauftragte hat eine Meldung veröffentlicht, die ausführlich auf die inhaltlichen Schwerpunkte der Konferenz und die Wortbeiträge der anderen beteiligten Expert*innen eingeht.
Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und kann auf der Webseite des Bundestags angesehen werden.