Betroffene bei der Akteneinsicht unterstützen


Berlin, 15.07.2026. Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat einen Rechercheratgeber für Akten zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend veröffentlicht. Der Leitfaden richtet sich an Betroffene und gibt praktische Hinweise, wie sie Akten finden und einsehen können. Ziel ist es, den oft schwierigen Zugang zu Informationen in Archiven oder bei Behörden zu erleichtern und die Aufarbeitung zu unterstützen.


Akten als Schlüssel zur Aufarbeitung

Der Blick in die eigenen Akten kann für Betroffene sexualisierter Gewalt ein wichtiges Puzzleteil sein, um die eigene Geschichte aufzuarbeiten. Die Dokumente helfen, sich mit den Gewalterfahrungen auseinanderzusetzen und materielle Forderungen – etwa nach dem Sozialen Entschädigungsrecht – geltend zu machen. Doch aktuell stoßen viele auf Hindernisse: Oft ist unklar, wo Akten lagern oder wie man Einsicht beantragt. Zudem kann die Konfrontation mit der Fremdperspektive auf das eigene Erleben belastend sein. Prof. Dr. Heiner Keupp, Mitglied der Aufarbeitungskommission, betont:

Betroffene brauchen niedrigschwellige Unterstützung. Ein umfassendes Akteneinsichtsrecht darf nicht nur für die Kinder- und Jugendhilfe gelten, sondern muss auch andere Bereiche wie Schule, Sport und Kirchen einbeziehen.

Angela Marquardt, Mitglied des Betroffenenrates, ergänzt:

„Die Einsicht in die eigene Akte ist für viele eine harte Erfahrung. Deshalb ist es wichtig, dass Betroffene wissen, was auf sie zukommt, und Unterstützung erhalten.“

Praktische Hilfe für Betroffene und Forschende

Der Rechercheratgeber wurde von Forscher*innen der Universität Hildesheim im Auftrag der Kommission erstellt. Er bietet einen Überblick über gesetzliche Grundlagen, institutionelle Strukturen und individuelle Handlungsmöglichkeiten. Jessica Wrenzycki, Co-Autorin des Ratgebers erklärt:

„Obwohl strukturelle Hürden weiter bestehen, hilft die Publikation bei der Suche nach Akten und gibt Tipps, wie diese eingesehen werden können.“

Neben Betroffenen richtet sich der Leitfaden auch an Forschende, die sexualisierte Gewalt in Institutionen aufarbeiten und dafür Zugang zu Akten benötigen. Immer wieder wird die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen dadurch behindert, dass Akten zurückgehalten werden.

Der Rechercheratgeber für Akten zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend steht hier als barrierefreie PDF-Datei (855 KB) zum Download bereit.


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