Prof. Dr. Julia Gebrande als neue Vorsitzende der Aufarbeitungskommission des Bundes ernannt und Dr. Ulrike Hoffmann als neues Mitglied berufen


22.01.2024 - Die Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Kerstin Claus, hat heute Prof. Dr. Julia Gebrande zur neuen Vorsitzenden der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs ernannt.


Die Sozialpädagogin wurde bereits im Juni 2022 durch die Beauftragte als neues Kommissionsmitglied berufen. Prof. Gebrande lehrt und forscht an der Hochschule Esslingen mit den Schwerpunkten Prävention, Intervention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und Soziale Arbeit nach traumatischen Erfahrungen.

Prof. Dr. Julia Gebrande, Vorsitzende der Aufarbeitungskommission: "Es ist mir ein großes Anliegen, gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Kommission die Gesellschaft und die Politik für die zentrale Bedeutung zu sensibilisieren, die Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs für das Heute und Morgen im Kinderschutz innehat. Den Kern unserer Arbeit stellen für mich nach wie vor die Berichte der Betroffenen dar. Auf dieser Grundlage möchte ich die Aufarbeitung in Deutschland in den nächsten zwei Jahren mit einer starken Betroffenenbeteiligung voranbringen und mich weiterhin für die Anerkennung erlittenen Unrechts einsetzen. Dafür stehe ich als neue Vorsitzende der Aufarbeitungskommission."

Zudem wurde heute Dr. Ulrike Hoffmann, Sozialwissenschaftlerin und Leiterin der Arbeitsgruppe "Wissenstransfer, Dissemination, E-Learning" an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm als neues Kommissionsmitglied berufen.

Kerstin Claus, Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM): "Ich freue mich sehr, dass mit Prof. Gebrande eine in unserem Themenfeld so erfahrene Wissenschaftlerin den Vorsitz der Unabhängigen Aufarbeitungskommission übernimmt. Zudem konnte ich heute mit der Sozialwissenschaftlerin Dr. Ulrike Hoffmann ein weiteres neues Mitglied in die Kommission berufen. Damit kann die Kommission nach dem Ausscheiden von Dr. Christine Bergmann Ende 2023 ihre Arbeit nahtlos mit sieben Mitgliedern fortsetzen. Mit den vertraulichen Anhörungen von Betroffenen, den öffentlichen Hearings sowie Expertisen und Forschungsvorhaben fordert die Kommission immer wieder zentrale politische und gesellschaftliche Aufarbeitungsprozesse ein, rückt die Perspektive von Betroffenen in den Fokus und trägt damit maßgeblich zur Sensibilisierung und Aktivierung von Politik und Gesellschaft bei. Es ist dringend notwendig, dass diese wichtige unabhängige Struktur zur Aufarbeitung auf Bundesebene weiter gestärkt wird. Im Rahmen des UBSKM-Gesetzes, das in der Federführung des Bundesfamilienministeriums umgesetzt wird, setze ich mich sehr für eine gesetzliche Grundlage ihrer Arbeit ein."

Dr. Ulrike Hoffmann, Mitglied der Aufarbeitungskommission: "Ich verfolge die Arbeit der Unabhängigen Aufarbeitungskommission schon lange und freue mich nun, in diesem wichtigen Gremium mitarbeiten zu dürfen. Ein zentrales Anliegen ist für mich, Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in der DDR fortzuführen, da ich selbst dort geboren und aufgewachsen bin. Weiterhin ist für mich von besonderer Bedeutung, die wichtigen Arbeitsergebnisse der Kommission noch stärker zu verbreiten und in die Praxis zu tragen. Ich bin im Bereich der Fort- und Weiterbildung tätig und werde dort die Erkenntnisse aus den Anhörungen und Berichten von Betroffenen, den Expertisen und Forschungsprojekten einbinden. Einer meiner Forschungsschwerpunkte ist Gewalt im medizinisch-therapeutischen Kontext. Deren Aufarbeitung möchte ich auch in die Arbeit der Kommission einbringen."

Der Betroffenenrat bei der UBSKM freut sich auf die weitere Zusammenarbeit: "Mit der der Berufung von Dr. Ulrike Hoffmann integriert die Aufarbeitungskommission weitere Expertise und langjährige Erfahrungen zum Thema sexuelle Gewalt. Insbesondere freut sich der Betroffenenrat, dass Dr. Ulrike Hoffmann auch Erfahrungen zu den digitalen Themen mitbringt."

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs untersucht seit 2016 Ausmaß, Art und Folgen sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Kern ihrer Untersuchungen sind vertrauliche Anhörungen und schriftliche Berichte von heute erwachsenen Betroffenen, die in ihrer Kindheit und Jugend sexualisierte Gewalt in Institutionen, im familiären und sozialen Bereich sowie in organisierten Strukturen ausgesetzt waren. Der Kommission gehören sieben ehrenamtliche Mitglieder an. Die Unabhängige Beauftragte und die Leiterin ihres Arbeitsstabes sowie zwei Mitglieder des Betroffenenrates bei der UBSKM sind zudem ständige Gäste. Die aktuelle Laufzeit der Kommission endet im Dezember 2025.

Betroffene sowie Zeitzeug*innen, die der Kommission über sexuellen Kindesmissbrauch berichten möchten, können sich telefonisch (0800 4030040 – anonym und kostenfrei), per E-Mail oder Brief an die Kommission wenden. Weitere Informationen zur vertraulichen Anhörung – auch online per Video – und zum schriftlichen Bericht sowie alle Kontaktdaten finden Sie unter www.aufarbeitungskommission.de.

Informationen zur Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) finden Sie unter www.beauftragte-missbrauch.de.


Pressekontakt

Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs

Kirsti Kriegel
Telefon: +49 (0)30 18555-1571
Fax: +49 (0)30 18555-4 1571
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