Kindesmissbrauch im familiären Kontext: Erstes öffentliches Hearing in Deutschland

Berlin, 26.01.2017. Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs veranstaltet am Dienstag, 31. Januar 2017 in der Akademie der Künste in Berlin das erste öffentliche Hearing zum Thema „Kindesmissbrauch im familiären Kontext“. Hier sprechen Betroffene, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Verantwortliche aus Institutionen und Politik und Fachkräfte aus der Praxis.

Warum wird Kindern und Jugendlichen von Angehörigen wie von Außenstehenden oft nicht geglaubt? Warum hat die Gesellschaft vielfach weggesehen und geschwiegen? Wie können Mädchen und Jungen im familiären Umfeld künftig besser geschützt werden? Wie können Institutionen wie Fachberatungsstellen, Familiengerichte und Jugendämter dazu beitragen; was müssen Politik und Gesellschaft ändern?

Mit diesen und anderen Fragen werden sich die Mitglieder der Kommission und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Panels auseinandersetzen. Es ist wichtig zu hinterfragen, was den Sozialraum Familie von anderen Institutionen wie Schulen, Heimen und Kirchen unterscheidet, aber auch wo Parallelen bestehen. Das Hearing soll auf das Tabuthema aufmerksam machen und den Dialog zwischen Betroffenen, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie der Gesellschaft fördern.

Sexueller Kindesmissbrauch findet vor allem in der Familie statt

Die Kommission ist international die erste Kommission, die sexuellen Kindesmissbrauch auch innerhalb der Familie und nicht nur in institutionellen Einrichtungen in den Blick nimmt.

Sexueller Kindesmissbrauch findet vor allem im familiären Umfeld statt. Das belegen auch die Anmeldungen für vertrauliche Anhörungen, die bisher bei der Kommission eingegangen sind. Von den knapp 600 Anmeldungen für vertrauliche Anhörungen betreffen etwa 330 Anmeldungen den familiären Kontext und das soziale Umfeld.

Sabine Andresen stellte die Arbeit der Kommission vor und was schon in diesem ersten Jahr erreicht wurde. Sie machte deutlich, wie wichtig vertrauliche Anhörungen von Betroffenen seien. Die Betroffenen erlebten dadurch eine Anerkennung ihres Leids, das ihnen bisher seitens der Gesellschaft verwehrt blieb. Die Erfahrung, dass ihnen zugehört und an ihrer Geschichte nicht gezweifelt wird, sei enorm wichtig.

Sabine Andresen

„Gewalt und Kindesmissbrauch in der Familie dürfen nicht als „Privatsache“ verstanden werden. Wir müssen die gesellschaftliche Verantwortung erkennen und benennen.“

Sabine AndresenVorsitzende der Kommission

Die Kommissionsvorsitzende Sabine Andresen wird das Hearing eröffnen. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig hält im Anschluss ein Grußwort. Prof. Dr. Aleida Assmann, Kultur- und Literaturwissenschaftlerin und Expertin für Erinnerungskultur und Aufarbeitung referiert im zweiten Teil der Veranstaltung.

Weitere Gäste sind Betroffene, Mitglieder des Bundestags, der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Mitglieder des Betroffenenrates und Beirats beim Unabhängigen Beauftragten sowie Dachorganisationen der Zivilgesellschaft.

Betroffene und andere Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die an einer vertraulichen Anhörung teilnehmen oder einen schriftlichen Bericht einreichen möchten, können sich telefonisch (0800 4030040 – anonym und kostenfrei), per E-Mail oder Brief bei der Kommission melden.

Die Veranstaltung ist ausgebucht.
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