Aufrufkampagne für Menschen mit Behinderungen gestartet
14.09. 2026 - Die Unabhängige Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat eine Aufrufkampagne gestartet, die sich an Menschen mit Behinderungen richtet. Mit der Botschaft "Offen für deine Geschichte" werden sie dazu eingeladen, der Kommission über sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend zu berichten. Auch Angehörige und Fachkräfte können der Kommission berichten.

Die Aufarbeitungskommission des Bundes will zukünftig mehr Menschen mit Behinderungen erreichen – auch um das Unrecht und Leid anzuerkennen, das sie erlebt haben. Mit der Kampagne werden sie direkt angesprochen. Gleichzeitig will die Kommission untersuchen, welche Bedingungen den Missbrauch ermöglicht haben und welche Strukturen dazu beitragen, dass Gewalt verschwiegen und Aufklärung verhindert wurde. Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche mit Behinderungen kann so einen Beitrag zum Kinderschutz leisten.
Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sind besonders gefährdet für sexuellen Missbrauch. Sie sind oft auf Unterstützung angewiesen. Daraus entsteht ein ungleiches Machtverhältnis, das von Tätern leicht ausgenutzt werden kann. Gleichzeitig gibt es zu wenig konkrete Maßnahmen, um sie zu schützen oder ihnen zu helfen, wenn sie Gewalt erlebt haben. Das wollen wir ändern.
Prof. Dr. Julia Gebrande, Vorsitzende der Kommission
Im Mittelpunkt der Kampagne stehen sechs Videospots und sechs Fotomotive. Darsteller*innen in der Rolle von Betroffenen und Zeitzeug*innen berichten von ihren Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt. Die Menschen kommen durch eine offene Tür und lassen damit symbolisch den Kontext, in dem der Missbrauch stattgefunden hat, hinter sich. Der Schritt durch die geöffnete Tür steht für den Prozess der individuellen und gesellschaftlichen Aufarbeitung, den die Kommission mit ihrer Arbeit unterstützt. Entwickelt wurde die Aufrufkampagne gemeinsam mit Expert*innen mit Behinderungen.
Unterstützung hat die Kampagne unter anderem durch den Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, gefunden. Auch der AWO-Bundesverband, das Deutsche Rote Kreuz, der Anthropoi Bundesverband, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für Menschen mit Behinderungen und die Lebenshilfe unterstützen das Anliegen der Kommission. Unter anderem sollen Plakate und Flyer in Tausenden Einrichtungen der Eingliederungshilfe ausgelegt werden. Die Spots sind in Social Media Kanälen, im Fernsehen, Zeitungen und Wartezimmer TV zu sehen und als Audiowerbung zu hören.
Hier können Sie die sechs Spots der Kampagne auf Youtube anschauen.
Kommunikations-Kit
Möchten Sie die Inhalte unserer Kampagne teilen? Sie können zum Beispiel ein Foto oder ein Banner mit einem Link zu unserer Kampagne auf Ihre Webseite stellen. Die Aufarbeitungskommission hat dafür ein Kommunikationskit erstellt. Für Hintergrundinformationen besuchen Sie unsere Themenseite „Sexueller Kindesmissbrauch gegen Menschen mit Behinderungen".
Barrierefreiheit
Die Aufarbeitungskommission stellt Informationen zu ihrer Arbeit, zu Veranstaltungen und zu den Kontaktmöglichkeiten für Betroffene in Deutscher Gebärdensprache und als barrierefreie Dokumente zur Verfügung. Für Menschen mit Hörbehinderungen kann eine Dolmetschung für vertrauliche Anhörungen organisiert werden. Zur Website in Gebärdensprache.
Für Menschen mit Lernschwierigkeiten bietet die Aufarbeitungskommission Informationen in Leichter Sprache an. Rechtsanwält*in Ronska Grimm führt für die Kommission vertrauliche Anhörungen für Menschen mit Lernschwierigkeiten durch. Zur Website in Leichter Sprache.
Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen werden barrierefreie Räumlichkeiten mit passendem Zugang gewählt, um eine Anhörung durchzuführen. Für Betroffene mit Schwerstmehrfachbehinderungen sucht unser Büro nach individuellen Lösungen. Zusätzlich ist es möglich, die Anhörung per Videokonferenz durchzuführen.