Studien

Hier finden Sie Studien, die von der Kommission in Auftrag gegeben worden sind.

Vorstudie „Sexuelle Gewalt im Rahmen der so genannten Pädosexuellenbewegung in Berlin“

Im West-Berlin der 1970er und 1980er Jahre sowie in der 1990 wiedervereinigten Stadt haben pädosexuelle Aktivisten für die Straffreiheit sexueller Handlungen von Erwachsenen mit Kindern geworben. Einige bekennende Pädosexuelle wurden wegen sexuellem Kindesmissbrauch zu Haftstrafen verurteilt. Das haben vorangegangene Studien zur Berliner Pädosexuellenbewegung im Zusammenhang mit Parteien und Organisationen herausgearbeitet (u.a. Walter, Klecha, Hensel; Nentwig). Weiteren Hinweisen auf pädosexuelle Strukturen in und außerhalb der Berliner Alternativszene wurden bislang nicht ausreichend nachgegangen. Ebenso können mögliche Verbindungen mit dem damaligen Berliner Straßenstrich sowie die Rolle der Jugend- und Ordnungsämter hinsichtlich der Gewährleistung des Jugendschutzes nicht als genügend erforscht gelten. Die Vorstudie soll durch Archivrecherche und Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen erste Antworten auf offene Fragen geben sowie weitere Themen, die sich durch die Recherche ergeben, identifizieren. Gleichzeitig sollen gemeinsam mit der Kommission vertrauliche Anhörungen mit Betroffenen durchgeführt und ausgewertet werden.

Mit der Vorstudie wurden die freie Historikerin Iris Hax und der Kulturwissenschaftler Sven Reiß (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) beauftragt. Sie hat eine Laufzeit bis 31. März 2019.

Die Vorstudie wird über Mittel der Kommission finanziert.

Fallstudie „Sexueller Kindesmissbrauch in Institutionen und Familien in der DDR“

Die vertraulichen Anhörungen und schriftlichen Berichte von Betroffenen, die Missbrauch in ihrer Kindheit und Jugend in der DDR erlitten haben, wurden im Rahmen einer Fallstudie ausgewertet. Das sozialistisch geprägte Menschen- und Familienbild der DDR steht dabei ebenso im Mittelpunkt wie die Frage der Lebensführung vor und nach der Wiedervereinigung.

Die Auswertung ist in zwei Bereiche unterteilt:

1. Schwerpunkt Familie
Prof. Dr. Cornelia Wustmann, Technische Universität Dresden, Fakultät Erziehungswissenschaften

2. Schwerpunkt Institutionen, insbesondere Heime und Jugendwerkhöfe
Prof. Dr. Beate Mitzscherlich, Westsächsische Hochschule Zwickau, Fakultät Gesundheits- und Pflegewissenschaften

Beide Bereiche berücksichtigen die Erkenntnisse der Expertise „Historische, rechtliche und psychologische Hintergründe des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen in der DDR“ der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft e.V. (UOKG).

Die Fallstudie wurde über Mittel der Kommission finanziert.

Fallstudie „Sexueller Kindesmissbrauch im Kontext der evangelischen und katholischen Kirche“

Mit der Fallstudie werden vertrauliche Anhörungen und schriftliche Berichte von Betroffenen sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Kontext systematisch und wissenschaftlich fundiert ausgewertet. Ziel dieser Studie ist es u.a., die spezifischen (kirchlichen) Gelegenheitsstrukturen für sexuelle Übergriffe, die Mechanismen des Missbrauchs und die Reaktionsmuster der Institutionen und des sozialen Umfeldes herauszuarbeiten. Hierbei werden auch Formen der institutionellen Aufarbeitung untersucht. Der Fokus liegt auf der evangelischen und katholischen Kirche.

Die Fallstudie wurde erstellt von Marlene Kowalski, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaft, Fachgebiet für „Professionsethik mit Schwerpunkt Sexualität und Macht“ an der Universität Kassel.

Die Fallstudie wurde über Mittel der Kommission finanziert.

„Auf-Wirkung: Aufarbeitung von Erfahrungen von Betroffenen sexualisierter Gewalt für wirksame Schutzkonzepte in Gegenwart und Zukunft“

Verbundvorhaben im Rahmen der zweiten Förderlinie „Sexueller Missbrauch in pädagogischen Kontexten“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte interdisziplinäre Verbundprojekt untersucht im Rahmen von fünf Teilprojekten, welche strukturellen Bedingungen sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche begünstigen, bedingen oder auch verhindern können. Das Verbundprojekt hat eine Laufzeit vom 01.01.2018 bis zum 31.12.2020.

Ausgangspunkt sind verschiedene Anknüpfungspunkte, die dazu auffordern, Aufarbeitungsprozesse in pädagogischen Institutionen mit Herausforderungen der Gegenwart und Perspektiven für die Zukunft zu verknüpfen. Untersucht werden soll der Umgang der Institutionen mit sexualisierter Gewalt, die Aufarbeitung ihrer Vergangenheit und die Einführung geeigneter Schutzkonzepte.

Das Forschungsprojekt nimmt dementsprechend Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in den Blick und arbeitet mit folgenden Maßnahmen:

  • Transkripte von vertraulichen Anhörungen bei der Aufarbeitungskommission und von schriftlichen Berichten von Betroffenen, die in der Vergangenheit sexualisierte Gewalt erleben mussten, werden ausgewertet. Diese Dokumente werden den Teilprojekten 1 bis 4 von der „Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs“ in pseudonymisierter Form, also ohne Angabe von z. B. Namen oder Orten, zur Verfügung gestellt.
  • Gruppendiskussionen in unterschiedlichen Institutionen und mit verschiedenen Akteuren werden durchgeführt, um die heutige Situation in pädagogischen Institutionen zu erfassen.
  • Die Ergebnisse werden in Zukunftswerkstätten mit Jugendlichen diskutiert und weiterentwickelt.

Ziel ist die Entwicklung praktischer Leitlinien, wie die Aufarbeitung von Missbrauch und Gewalt in pädagogischen Einrichtungen zusammen mit einem Wandel in der Institution gelingen kann. Im Forschungsteam sind verschiedenen Fachrichtungen vertreten. Dies ermöglicht eine interdisziplinäre Bearbeitung der Fragestellungen für unterschiedliche Institutionen sowie Gruppen. Zu den Institutionen zählen z. B. Schule, Beratung, stationäre Einrichtungen, Therapie oder Gerichte; zu den Gruppen u. a. Jugendliche, Fachkräfte unterschiedlicher Professionen sowie Betroffene.

Teilprojekt 1: Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt verstehen und Sich-Anvertrauen (Disclosure) in Institutionen aus Sicht der Betroffenen. (Leitung Prof. Dr. Sabine Andresen, Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung, Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Teilprojekt 2: Schwerpunkt Nähe und Distanz, Bedürftigkeit und Abgrenzung, Kontrolle und Selbstbestimmung in stationären Einrichtungen. (Leitung Prof. Dr. Barbara Kavemann, Sozialwissenschaftliches ForschungsInstitut zu Geschlechterfragen / FIVE e.V. Freiburg und Berlin)

Teilprojekt 3: Verhinderung der Bewältigung von sexualisierter Gewalt. (Leitung Prof. Dr. med. Peer Briken, Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)

Teilprojekt 4: Salutogenetische und resiliente Ressourcen von sexualisierter Gewalt Betroffener (Leitung Prof. Dr. Heiner Keupp, Emeritus, Institut für Praxisforschung und Projektberatung München)

Teilprojekt 5: Strukturelle Bedingungen und gesellschaftliche Konsequenzen von Kindesmissbrauch sowie konzeptionelle Rahmung einer nachhaltigen Erinnerungskultur. (Leitung Prof. Dr. Jens Brachmann, Institut für Allgemeine Pädagogik und Sozialpädagogik, Universität Rostock))

In einer Vereinbarung wurden die Bedingungen geregelt, unter denen die Kommission dem Verbundprojekt Dokumente zur Verfügung stellt. Darüber hinaus wurden Verantwortlichkeiten und Maßnahmen zum Schutz der Daten vereinbart. Den wesentlichen Inhalt dieser Vereinbarung finden Sie hier.

Im Rahmen des Verbundvorhabens wurde eine Gruppe der Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforscher gebildet, um neben den inhaltlichen Ergebnissen auch eine Verankerung der Thematik in der Wissenschaft zu gewährleisten.

Weitere Informationen zum Verbundprojekt finden Sie hier.