Barbara Kavemann

Prof. Dr. Barbara Kavemann

Sozialwissenschaftliches FrauenForschungsInstitut Freiburg (SoFFI F.)
Projekttitel:

Erwartungen Betroffener sexuellen Kindesmissbrauchs an die gesellschaftliche Aufarbeitung

Uns interessieren die Erwartungen an Aufarbeitung generell und auch ganz konkret die Erwartungen an die Aufarbeitungskommission. Wir verstehen Betroffene als Expertinnen bzw. Experten für ihre Erfahrungen und ihre Lebenssituation. Das Forschungsprojekt ist am 01.07.2016 gestartet und läuft bis Frühjahr 2019. Unsere Forschung soll die Arbeit der Kommission ergänzen.

Wir haben Interviews mit Betroffenen geführt, die bereit waren uns ihre Erwartungen an Aufarbeitung in einem persönlichen Interview mitzuteilen. Welche Erwartungen bestehen an Politik und Gesellschaft? Wie könnte Gerechtigkeit hergestellt werden? Wie sehen aktuelle Belastungen aus und wie könnte Abhilfe geschaffen werden?

Wenn Sie Interesse daran haben, gemeinsam mit anderen Betroffenen zu diskutieren, laden wir zu Gruppendiskussionen ein. Diskussionen zu den Themen „Austausch der Generationen“ mit älteren und jüngeren Betroffenen sowie zu „Von der Ohnmacht zur Ermächtigung – Beteiligung von Betroffenen an Aufarbeitungsprozessen“ und zu „Erwartungen Betroffener an den Umgang mit Tätern und Täterinnen im Rahmen von persönlicher Bewältigung und gesellschaftlicher Aufarbeitung“ haben bereits stattgefunden. Für 2018 sind weitere Diskussionen geplant, voraussichtlich zu „Die Bedeutung von Familie und sozialem Umfeld bei der Bewältigung von Gewalterleben“ und „Umgang mit dem Opferstigma – Präsenz von Betroffenen in öffentlichen Anhörungen, Kongressen und Medien.“

Auch die Interviewauswertung schreitet voran. Betroffene sehen in der Berufung der Aufarbeitungskommission mehrheitlich große Chancen, formulieren aber auch Ungeduld und Kritik. Für die meisten bedeutet Aufarbeitung: Die Politik muss Betroffenen die Bedingungen schaffen, die Folgen des sexuellen Missbrauchs zu bewältigen. Die Bedeutung einer finanziellen Entschädigung wird von den Befragten sehr unterschiedlich eingeschätzt. Durchgängig zeigt sich das zentrale Problem, passende, kompetente Therapie zu finden. Noch immer fehlt es an qualifizierter Traumatherapie. Die Finanzierungspraxis der Krankenkassen wird stark kritisiert. Bislang wenig im Blick der Öffentlichkeit ist, wie sehr auch die Partner und Kinder von Betroffenen unter den Folgen des sexuellen Missbrauchs leiden.

Hier finden Sie die Ergebnisse der ersten und zweiten Fragebogenerhebung

Das Projekt wird über Mittel der Kommission finanziert.